Vorkommen des Attributes
machiavellistisch
in aktuellen Zeitungskommentaren
(Zur Vorbereitung und Aktualisierung der
Analyse der staatsphilosophischen
Überlegungen von Machiavelli in Il principe)
| |
| Andreas´
Feder Was macht der Westen? (...) Im Kosovo-Krieg und in
Ost-Timor standen die westliche Demokratien für die
Menschenrechte ein. Jugoslawien war ein für die NATO
unbedeutender Gegner. Wer - wegen der Durchsetzung der
Menschenrechte dort - hoffte, dies wäre fortan der
Primat der westlichen Außenpolitik, musste sich
getäuscht sehen. Es war zwar wünschenswert, aber naiv.
Ein Eingriff in die Autorität und Souveränität eines
mächtigen (Atomwaffen-) Staates war utopisch -
insbesondere in von den Zentren der Macht weit entlegenen
Teilen der Welt. Im Falle Ost-Timors verhielt sich der
Sachverhalt bereits entschieden anders. Es fehlte die
räumliche Nähe des Krisengebiets zu den Hauptstädten
Europas und Amerikas. Außerdem konnte Indonesien eine
schlagkräftige Armee sein Eigen nennen. Doch geschickte
Diplomatie konnte auch hier den Menschenrechten Geltung
verschaffen. Nun sind im Nordkaukasus Menschen und ihre
Rechte die Opfer - Russland der Aggressor. Wieso greift
der Westen nicht ein? |
|
|
R U D O L F
A U G S T E I N
Madeleines Krieg
(...) Albright hat jetzt ausgespielt, ihre Karten haben nicht
gestochen. Ihre Luftschläge haben eben nicht genügt, und für
Bodentruppen ist sie nicht zuständig.
Kanzler Schröder hat sich in Sachen Bodentruppen derart
festgelegt, vielleicht voreilig, daß er einen Bruch dieser
festen Zusage, keinesfalls deutsche Soldaten als Bodentruppen
einzusetzen, politisch wohl nicht überleben würde. Daß er
heute so tun muß, als hätte er den Krieg für richtig gehalten,
versteht sich von selbst. Er hat ihn vielleicht, ohne
Fachkenntnisse zu haben, auch für richtig gehalten. Vor allem
aber hätten die neuen Berliner Deutschen es sich nicht leisten
können, angesichts des Übereinkommens zwischen England und
Frankreich beiseite zu stehen. Da denkt Schröder nicht machiavellistisch.
Ob es so arg weise und vernünftig war, Milosevic überhaupt
und erst recht so spät vor dem Haager Gerichtshof anzuklagen,
läßt sich eindeutig nicht sagen. Nach bisherigem Kenntnisstand
scheint es, daß er in seinem Starrsinn nur bestärkt wird. Nicht
nur ihm laufen die Reservisten, der Nato läuft angesichts des
kommenden Winters die Zeit davon. (...)
Der Präsident des Revisionsgerichtes in Ankara kritisiert die
türkische Verfassung
(...)
Das türkische Establishment weiß, daß die Europäische
Union wieder einen Schritt in die Richtung einer Integration der
strategisch wichtigen Türkei macht. Ministerpräsident Bülent
Ecevit, bislang treuester Büttel des Militärs, hat nach dem
Erdbeben einen starken Popularitätsverlust erlitten, indem er
die einwöchige Zensur eines kritischen Fernsehkanals und seinen
Gesundheitsminister verteidigte, der rassistische Sprüche über
die ausländischen Hilfsteams geklopft hatte.
Man kann gespannt sein, ob das ehrenwerte Revisionsgericht
damit fortfährt, über die Verfassung zu richten und politische
Urteile nach dem Willen Ankaras bzw. des Generalstabs zu fällen.
Den interessiert die Verfassung gemeinhin wenig, und er verfügt
ganz machiavellistisch über die Entwicklung etwa im
Prozeß gegen PKK-Führer Abdullah Öcalan oder darüber, ob die
islamistische Partei verboten bleibt oder nicht. Und so können
die Wölfe weiter den Mond anheulen. (...)
Sabine
Küper-Basgöl, Istanbul
(...) Als abgezockte Veteranen von 1968, der hochpolarisierten politischen Kämpfe der siebziger Jahre quer durch alle Parteien und Institutionen, der organisierten Schlachten an den Bauzäunen und Startbahnen Anfang der Achtziger, haben die heutigen Minister und Mandatsträger schnell begriffen, daß sie diesen Aufstand ganz einfach aussitzen können. Wer sich die martialischen Fronterinnerungen jener abgehärteten Krieger anhört, gleichgültig auf welcher Seite sie in jenen Tagen gestanden haben mögen, der begreift schnell, weshalb die Arglosigkeit der aktuellen Studentengeneration sie so wenig beeindruckt. Härter, unversöhnlicher ging es zu ihrer Zeit zur Sache, machiavellistisch verfolgte man die eigenen Interessen. Es gab nur Schwarz und Weiß, Freund und Feind. (...)