Halbjahresplan Philosophie 13.2. Wissenschaftstheorie - Sprachphilosophie (aktualisiert:05.10.2001 )
Material: Grundkurs Philosophie Bd. 3, Denken / Sprache /Wissenschaft, Bayrischer Schulbuchverlag, München, Hrsg. Gerd Gerhardt; Texte von Seiffert, Whorf, Schaff, Gipper, alle in: Sprechen, Denken, Wirklichkeit, hrsg. v. T.Högy/H. Thiel/ H. Weiß, Diesterweg, 1975
Lexikon zur Wissenschaftstheorie
1.Fortführung und Vertiefung des Universalienproblems
sowie der Frage
nach der Möglichkeit wahrer Erkenntnis: Zeichen,
Begriffe, Definitionen, Aussagen, Wahrheitsproblem in den Wissenschaften,
(Popper, Logik der Forschung) Gesetzesbildung, das Verhältnis Sprache - Denken - Wirklichkeit, die Erschließung der Welt
durch Sprache, Relativitätsprinzip
(Whorf, Wittgenstein, Schaff, Zimmer), Auseinandersetzung mit der
Whorf-Hypothese:
http://www.netzgestalten.de/Frank.Hartmann/Sapir-Whorf.htm
http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/jf/Funke_1999_Sprache&Denken.pdf
http://www.skeptischeecke.de/Worterbuch/Kosmologie/Sprachmythen/sprachmythen.html
http://www.payer.de/kommkulturen/kultur033.htm
Aus dem Web-Archiv: Texte zum Thema Spache-Denken-Wirklichkeit der Mauthner-Gesellschaft
zum Einstieg:
Aussagen:
Fragen:
Aufgabe:
2. Wissenschaftliche Forschung, Ethik und staatliche Normen (am Beispiel aktueller Diskussion um die Gentechnologie oder ökologischer Probleme) Vernetzung mit 12.1 und 12.2
Abiturprüfung 2006/07
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/abitur-gost/download/phil-vorgaben-2007.pdf
Operatoren Philosophie Übersicht über die Operatoren Anforderungsbereich I:
Erarbeiten:
Erfassen,
Darstellen: den Gedankengang oder die Hauptaussage eines Textes mit eigenen Worten und unter Verwendung der Fachsprache darlegenBeschreiben
: die Merkmale eines Bildes oder anderen Materials detailliert und kontextgebunden wiedergebenZusammenfassen:
die Kernaussagen eines Textes komprimiert und strukturiert darlegenAnforderungsbereich II:
Einordnen:
mit erläuternden Hinweisen in einen genannten Zusammenhang einfügenErläutern,
Erklären: einen Sachverhalt, eine These etc. ggf. mit zusätzlichen Informationen und Beispielen nachvollziehbar veranschaulichenPrüfen:
erkenntnismäßige und moralische Prämissen von Meinungen, Überzeugungen und Annahmen im Lichte einer Theorie prüfenVergleichen:
Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Denkansätzen bzw. Aussagen ermitteln und begründend darstellenUntersuchen:
unter gezielten Fragestellungen Strukturmerkmale und Zusammenhänge herausarbeiten und darstellenAnwenden,
In Beziehung setzen; theoretische Ansätze, Methoden, logische Regeln auf Texte, Fälle oder Problemzusammenhänge anwendenAnforderungsbereich III:
Begründen:
Überprüfen:
eine Meinung, Aussage, These, Argumentation nachvollziehbar und auf der Grundlage eigenen Wissens beurteilenErörtern,
Diskutieren: Problemstellungen, -fragen argumentativ erklären und prüfen und auf dieser Grundlage eine eigene Stellungnahme entwickelnBeurteilen
, Bewerten, Stellung nehmen: zu einem Sachverhalt nach ausgewiesenen Normen und Werten und unter Verwendung von Fachwissen und Fachmethoden eine eigene Position argumentativ gesichert vertretenSammlung von Abiturklausuren verschiedener Bundesländer (alle Fächer)
Beispiel für eine mündliche Abiturprüfung:
Text aus Themenbereich 13.2: Sprachphilosophie
W.
Schwarz, Sprache und Bewusstsein
Was geschieht,
wenn wir sprechen lernen? Das Nächstliegende ist zu sagen, wir lernten uns
ausdrücken. Durch das nachahmende Einüben von Lautzeichen und ihre aktive
Verwendung zur Bezeichnung von Dingen eignen wir uns die Fähigkeit an, die
Wirklichkeit unserer Umwelt begrifflich zu erfassen und begrifflich
wiederzugeben. Aber - das ist nicht die ganze Wahrheit. Sie wäre es, wenn vor
dem Erlernen der Sprache schon die Welt der Dinge und die Welt der Begriffe
ausgebreitet vor uns läge und wir nur noch nach Symbolen zu suchen brauchten,
die, in ihrem Bedeutungsgehalt auf jene Welt des Seins und Bewusstseins
festgelegt, es uns gestatten, zu benennen, was wir zuvor schon wussten. Aber so
ist es nicht. Sprechen lernen ist nicht Erlernen des Ausdrucks des schon zuvor
Gedachten. Sprechen lernen ist denken lernen.
Indem
das Kind sprechen lernt, lernt es also, dieser Sprache gemäß zu denken. Es
entlehnt seine Wortbedeutungen in all seinen Verästelungen der Sprache selber,
in der es denkt. Sprechen lernen: das ist die Vorherbestimmung der
Bewusstseinsinhalte durch die Sprache selbst, die da gelernt wird.
Sprechenlernen bedeutet für das Kind, sich einem fortwährenden
Korrekturprozess zu unterwerfen. Aber nicht die Realität korrigiert „falschen
Sprachgebrauch": die Mutter ist es, die dem Kind “falsche“, d.h. nicht
ihren eigenen Sprachgewohnheiten entsprechende Bedeutungsinhalte abgewöhnt.
Insofern ist sprechen lernen ein Dressurakt wie die anderen Erziehungs- und
Lernvorgänge auch. Sprechen lernen heißt der Muttersprache gemäß denken
lernen.
Die
Sprache - nicht die Wirklichkeit - hält jene Bedeutungsnuancen bereit enthält
jene Strukturelemente des Bewusstseins, die in Ihre Realitätsbetrachtung
zwangsläufig mit eingehen. Sie sagen zwar: Ich lerne die Sprache zu
beherrschen. Bei genauerem Hinsehen aber erweist es sich: Die Sprache beherrscht
Sie! Sie nämlich legt Ihnen die Grundmuster der Umweltdeutung vor, die Sie
akzeptieren müssen. Ihre Situation ist nicht besser als die eines gefeierten Fußballspielers.
Jeder bewundert seine Ballbeherrschung. Aber in Wirklichkeit beherrscht
der Ball ihn. Das Spiel gibt ihm die Regeln vor, und nur innerhalb dieser Regeln
vermag er seine Fähigkeiten zu entfalten. Aber anders als der Fußballspieler können
Sie nicht aufhören zu spielen. Weil Sie denken müssen, müssen Sie sich der
Sprache bedienen. Und damit bedient sich die Sprache zugleich Ihrer. Sie mögen
sprachlich ausdrücken, wollen, was immer Ihnen einfällt: Die Sprache setzt
Ihrem Ausdrucksvermögen ihr Maß. Und nur innerhalb dieser Maßgabe sind sie
frei. Die Sprache teilt Ihnen die Realität sprachgerecht zu.
Nicht
Ihr Bewusstsein setzt die Wirklichkeit in Sprache um: die Sprache setzt vielmehr
die Realität in Ihr Bewusstsein um.
Aufgabe:
Anforderungsbereich I : Stellen Sie den Gedankengang des Textes mit eigenen Worten unter Verwendung der Fachsprache dar und fassen Sie die Kernaussage zusammen.
Anforderungsbereich II: Setzen Sie die Kernaussage des Textes in Beziehung zur Whorf-Hypothese.
Anforderungsbereich III: Diskutieren Sie die Kernaussage des Textes unter Einbeziehung der Einwände gegen die Whorf-Hypothese.
Weiterführende Fragestellungen unter Berücksichtigung der Unterrichtsinhalte aus 12.1 bis 13.1
z.B.: "kopernikanische Wende" in der kantischen Erkenntnistheorie (13.1)
z.B. :Bedeutung der Muttersprache für die Begriffe "Staat", "Volk", "Nation" (12.2)
z.B.: Bedeutung des Begriffs "Freiheit" in der Ethik Kants (12.1)
Methodische Hinweise und Lösungsvorschlag:
Fertigen Sie für die Aufgabe aus Anforderungsbereich I eine Strukturskizze an:
Problemstellung: Wie lernen wir sprechen? (d.h. wie lernen wir unsere Welt sprachlich zu erfassen und zu kommunizieren?) und welche Rolle spielt dabei das Denken?
Lösung: Sprechen lernen ist denken lernen und Sprache vermittelt das Bewusstsein von der Realität.
gedankliche Abfolge: Widerspruch zur Abbildtheorie: Sprache bildet die Welt nicht einfach in Begriffen ab. Die Bedeutung der einzelnen Wörter und Begriffe zeigt sich erst in ihrem Gebrauch. Im Sprachlernen werden Bewusstseinsinhalte gelernt und die Welt strukturiert.
Sprechen lernen ist ein dauernder Korrekturprozess, der sich in der Kommunikation mit anderen Menschen (hier: Mutter) vollzieht, nicht durch die Realität als solche.
Dadurch steuert die in Kommunikationsprozessen gelernte und gebrauchte Sprache die Vorstellung von der Welt (Bewusstsein). Die Sprache "beherrscht die Grundmuster unserer Umweltdeutung ".
Analogie Fußballspieler: Wie der Fußballspieler in seinem Spiel durch die Regeln eingeengt ist, ist unser Bewusstsein durch die Regeln des Sprachspiels beherrscht.
Anforderungsbereich II : Whorf vertritt die These, dass jeder Beobachter die Welt gemäß der Grundstruktur seines erlernten linguistischen Systems strukturiert. Dies entspricht der These von Schwarz insofern als dieser die Vorstellung von der Welt an der Muttersprache festmacht, während Whorf die Gesamtheit der indoeuropäischen Sprachgemeinschaft als für unser westliches wissenschaftliches Weltbild als strukturbildend ansieht und damit zugleich die Relativität der Weltbilder unterschiedlicher Sprachfamilien behauptet.
Anforderungsbereich III: Die These Whorfs in dieser starken Form wird von einigen Wissenschaftlern (Pinker, Zimmer) mit verschiedenen Argumenten abgelehnt:
Was die Sprache der Hopi-Indianer angeht, haben sich Whorfs daraus abgeleitete Schlüsse als nicht haltbar herausgestellt, Sprachen sind recht gut ineinander übersetzbar, Menschen verschiedener Sprachen müssen sich nicht allzu sehr missverstehen, weil universale kognitive Prozesse oder ein für alle gleiches genetisches Programm auch Grammatiken erzeugen, die sich auf einer tieferen Ebene gleichen, einem Wissenschaftsgerücht zufolge sollen die Eskimos viele verschiedene Wörter für die verschiedenen Schneearten haben, der Europäer aber nur eins, eben Schnee, was sich eben als falsch herausgestellt hat, bzw. was natürlich zu erklären ist durch die unterschiedlichen Umweltbedingungen, die in unterschiedlichen Kommunikationsgemeinschaften herrschen.
Andererseits schaffen neue gelernte Begriffe
von vorher nicht erkannten oder übersehenen Phänomenen auch neue oder
differenziertere Erkenntnisse.
Insofern kann man behaupten, dass die Evolution der Sprache das wesentliche
Moment für die Evolution des Denkens in einem dialektischen gesellschaftlich
und umweltabhängig determinierten Prozess ist und damit die Vorstellungen von
der Realität abhängig sind von dem Fortschreiten dieses Prozesses.