Halbjahresplan Philosophie GK 11.1, Einführungskurs (aktualisiert:22.05.2009 )
Leitendes Prinzip: Begriff der Philosophie unter drei der Hauptfragen Kants sowie Erarbeitung grundlegender Methoden der Texterschließung
Material: Wirklich?, Philosophie für Einsteiger, Ernst Klett Schulbuchverlag, Hrsg. Gabriele Münnix und Grundkurs Philosophie Bd. 1, Einführung /Anthropologie, Bayrischer Schulbuchverlag, München, Hrsg. Gerd Gerhardt
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1. Begriff der Philosophie:
einleitende Übersicht (3Sat delta
fragt, wo die Philosophie derzeit steht und hat vier Philosophieprofessoren und
eine Professorin befragt.) Einführungskurse
in die Philosophie ("Verein zur Förderung
des dialektischen Denkens, e.V.") Sei
doch vernünftig! Ein Crash-Kurs (Wikibook) Philosophen
(Zusammenstellung von Links auf dem Hamburger Bildungsserver)
Kurs
11.1 Schulj. 03/04
"Zweifel
als Ursprung und Methode der Philosophie" Antike -
Platon - Höhlengleichnis,
(Als
Powerpoint-Darstellung lange Ladedauer!!)) Philosophie als Suche nach dem Wahren, Guten und Schönen, Neuzeit - Descartes -
Die Gewissheit des Geistes, Methode des systematischen
Zweifelns, Gegenwart - Popper
- Erkenntnis als "Kübel" oder als "Scheinwerfer"? WIR
WISSEN NICHT, SONDERN WIR RATEN, ein Gespräch , Watzlawick - Die
zerkratzten Windschutzscheiben
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Wenn ihr Schiss habt vor der Freiheit, geht zurück in euren Stall und lasst euch verwursten." |
Hinweis: Die Zeichnung ist mit Hotspots versehen. Wenn man die verschiedenen Bildbereiche anklickt, erfolgt der entsprechende Textverweis. I. Vom Leben in der Höhle (Die Abbildung oben enthält Links auf die entsprechenden Textstellen) »Hierauf vergleiche nun, fuhr ich fort, unsere Natur in Bezug auf Bildung und Unbildung mit folgendem Erlebnis. Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen, höhlenartigen Behausung; diese hat einen Zugang, der zum Tageslicht hinaufführt, so groß wie die ganze Höhle. In dieser Höhle sind sie von Kind auf, gefesselt an Schenkeln und Nacken, so daß sie an Ort und Stelle bleiben und immer nur geradeaus schauen; ihrer Fesseln wegen können sie den Kopf nicht herumdrehen. Licht aber erhalten sie von einem Feuer, das hinter ihnen weit oben in der Ferne brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefesselten aber führt oben ein Weg hin; dem entlang denke dir eine kleine Mauer errichtet, wie die Schranken, die die Gaukler vor den Zuschauern aufbauen und über die hinweg sie ihre Kunststücke zeigen. - Ich sehe es vor mir. Stelle dir nun längs der kleinen Mauer Menschen vor, die allerhand Geräte vorübertragen, so, daß diese über die Mauer hinausragen, Statuen von Menschen und anderen Lebewesen aus Stein und aus Holz und in mannigfacher Ausführung. Wie natürlich, redet ein Teil dieser Träger, ein anderer schweigt still. - Ein seltsames Bild führst du da vor, und seltsame Gefesselte, sagte er. Sie sind uns ähnlich, erwiderte ich. Denn erstens: glaubst du, diese Menschen hätten von sich selbst und voneinander je etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, die das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Seite der Höhle wirft? - Wie sollten sie, sagte er, wenn sie zeitlebens gezwungen sind, den Kopf unbeweglich zu halten? Was sehen sie aber von den Dingen, die vorübergetragen werden? Doch eben dasselbe? - Zweifellos. - Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, sie würden das als das Seiende bezeichnen, was sie sehen? - Notwendig. Und wenn das Gefängnis von der gegenüberliegenden Wand her auch ein Echo hätte und wenn dann einer der Vorübergehenden spräche - glaubst du, sie würden etwas anderes für den Sprechenden halten als den vorbeiziehenden Schatten? - Nein, beim Zeus, sagte er. - Auf keinen Fall, fuhr ich fort, könnten solche Menschen irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener künstlichen Gegenstände. - Das wäre ganz unvermeidlich, sagte er.
II. Der Austritt aus der Höhle Überlege dir nun, fuhr ich fort, wie es wäre, wenn sie von ihren Fesseln befreit und damit auch von ihrer Torheit geheilt würden; da müßte ihnen doch naturgemäß folgendes widerfahren: Wenn einer aus den Fesseln gelöst und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals zu wenden, zu gehen und gegen das Licht zu schauen, und wenn er bei all diesem Tun Schmerzen empfände und wegen des blendenden Glanzes jene Dinge nicht recht erkennen könnte, deren Schatten er vorher gesehen hat - was meinst du wohl, daß er antworten würde, wenn ihm jemand erklärte, er hätte vorher nur Nichtigkeiten gesehen, jetzt aber sei er dem Seienden näher und so, dem eigentlicher Seienden zugewendet, sehe er richtiger? Und wenn der ihm dann ein jedes von dem Vorüberziehenden zeigte und ihn fragte und zu sagen nötigte, was das sei? Meinst du nicht, er wäre in Verlegenheit und würde das, was er vorher gesehen hat, für wahrer (wirklicher) halten als das, was man ihm jetzt zeigt? - Für viel wahrer (wirklicher), erwiderte er. Und wenn man ihn gar nötigte, das Licht selber anzublicken, dann schmerzten ihn doch wohl die Augen, und er wendete sich ab und flöhe zu den Dingen, die er anzuschauen vermag, und glaubte, diese seien tatsächlich klarer als das, was man ihm jetzt zeigt? -Es ist so, sagte er. Schleppte man ihn aber von dort mit Gewalt den rauhen und steilen Aufgang hinauf, fuhr ich fort, und ließe ihn nicht los, bis man ihn an das Licht der Sonne hinausgezogen hätte - würde er da nicht Schmerzen empfinden und sich nur widerwillig so schleppen lassen? Und wenn er ans Licht käme, hätte er doch die Augen voll Glanz und vermöchte auch rein gar nichts von dem zu sehen, was man ihm nun als das Wahre bezeichnete? - Nein, erwiderte er, wenigstens nicht im ersten Augenblick. Er müßte sich also daran gewöhnen, denke ich, wenn er die Dinge dort oben sehen wollte. Zuerst würde er wohl am leichtesten die Schatten erkennen, dann die Spiegelbilder der Menschen und der andern Gegenstände im Wasser und dann erst sie selbst. Und daraufhin könnte er dann das betrachten, was am Himmel ist, und den Himmel selbst, und zwar leichter bei Nacht, indem er zum Licht der Sterne und des Mondes aufblickte, als am Tage zur Sonne und zum Licht der Sonne. - Ohne Zweifel. Zuletzt aber, denke ich, würde er die Sonne, nicht ihre Spiegelbilder im Wasser oder anderswo, sondern sie selbst, an sich, an ihrem eigenen Platz ansehen und sie so betrachten können, wie sie wirklich ist. - Ja, notwendig. Und dann würde er wohl die zusammenfassende Überlegung über sie anstellen, daß sie es ist, die die Jahreszeiten und Jahre herbeiführt und über allem waltet in dem sichtbaren Raume, und daß sie in gewissem Sinne auch von allem, was sie früher gesehen haben, die Ursache ist. - Offenbar würde er nach alledem so weit kommen. Wenn er nun aber an seine erste Behausung zurückdenkt und an die Weisheit, die dort galt, und an seine damaligen Mitgefangenen, dann wird er sich wohl zu der Veränderung glücklich preisen und jene bedauern - meinst du nicht? - Ja, gewiß. Die Ehren aber und das Lob, das sie einander dort spendeten, und die Belohnungen für den, der die vorüberziehenden Schatten am schärfsten erkannte und der sich am besten einprägte, welche von ihnen zuerst und welche danach und welche gleichzeitig vorbeizukommen pflegten, und daraus am besten vorauszusagen wußte, was jetzt kommen werde - glaubst du, er sei noch auf dieses Lob erpicht und beneide die, die bei jenen dort in Ehre und Macht stehen? Oder wird es ihm so gehen, wie Homer sagt, daß er viel lieber auf dem Acker bei einem armen Mann im Taglohn arbeiten und lieber alles mögliche erdulden will, als wieder in jenen Meinungen befangen sein und jenes Leben führen? - Ja, das glaube ich, sagte er. Lieber wird er alles andere ertragen als jenes Leben. III. Die Rückkehr Denke dir nun auch folgendes, fuhr ich fort: Wenn so ein Mensch wieder hinunterstiege und sich an seinen alten Platz setzte, dann bekäme er doch seine Augen voll Finsternis, wenn er so plötzlich aus der Sonne käme? - Ja, gewiß, erwiderte er. Wenn er dann aber wieder versuchen müßte, im Wettstreit mit denen, die immer dort gefesselt waren, jene Schatten zu beurteilen, während seine Augen noch geblendet sind und sich noch nicht wieder umgestellt haben (und diese Zeit der Umgewöhnung dürfte ziemlich lange dauern), so würde man ihn gewiß auslachen und von ihm sagen, er komme von seinem Aufstieg mit verdorbenen Augen zurück und es lohne sich nicht, auch nur versuchsweise dort hinaufzugehen. Wer aber Hand anlegte, um sie zu befreien und hinaufzuführen, den würden sie wohl umbringen, wenn sie nur seiner habhaft werden und ihn töten könnten. - Ja, gewiß, sagte er. Dieses ganze Gleichnis, mein lieber Glaukon, fuhr ich fort, mußt du nun an das anknüpfen, was wir vorhin besprochen haben. Die durch das Gesicht uns erscheinende Region setze dem Wohnen im Gefängnis und das Licht des Feuers in ihr der Kraft der Sonne gleich. Und wenn du nun den Aufstieg und die Betrachtung der Dinge dort oben für den Aufstieg der Seele in den Raum des Einsehbaren nimmst, so wirst du meine Ahnung nicht verfehlen, die du doch zu hören wünschest. Gott aber mag wissen, ob sie richtig ist. Meine Ansicht darüber geht jedenfalls dahin, daß unter dem Erkennbaren als letztes und nur mit Mühe die Idee des Guten gesehen wird; hat man sie aber gesehen, so muß man die Überlegung anstellen, daß sie für alles die Urheberin alles Richtigen und Schönen ist. Denn im Sichtbaren bringt sie das Licht und seinen Herrn hervor; im Einsehbaren aber verleiht sie selbst als Herrin Wahrheit und Einsicht. Sie muß man erblickt haben, wenn man für sich oder im öffentlichen Leben vernünftig handeln will. - Ich bin derselben Ansicht, sagte er, soweit ich zu folgen vermag!« Quelle: Platon: Politeia 7. Buch |
Ernst Jandl: Viel o Sophie
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2.. "Was kann ich wissen?"
Erkenntnistheorie "Ich glaube nur, was ich sehe!" (Russell, Erscheinung und Wirklichkeit) (siehe auch 13.1)
3. "Was soll ich tun?
Ethik "Ist der Mensch wirklich frei?" Determinismus vs. Indeterminismus vs. Fatalismus und Freiheit (Schopenhauer, Carnap, Sartre u.a.)
4. Verknüpfung von Handeln und Wissen und Überleitung zum
Menschenbild (6):
Ethik/Wissenschaftstheorie "Wie bringe ich jemanden dazu, einen anderen
zu töten?" (Das Milgram-Experiment - Autorität und Gehorsam, die
"Banalität des Bösen")
Internet-Links hierzu: Milgram Experiment
5. Überleitung: Vom Zweifel an der Autorität zur Autonomie des Subjekts
Begriff der Philosophie als "Aufklärung"
- Ausgang aus selbstverschuldeter
Unmündigkeit - Kant, Was ist
Aufklärung? (1784)
5. 1 Verknüpfung zwischen 4 und 5: Zusammenhang zwischen den Ergebnissen des Milgram-Experiments und Kants
Aufklärungsschrift. Beispiel einer Hausarbeit:
5.2 Dialektik der Aufklärung: ein Hörspiel aus der Schulfunkreihe "Denkanstöße" - Wissenschaftler zwischen Markt und Ethos
6. "Was ist der Mensch?"
Anthropologie: Merkmalsbestimmung aus unterschiedlichen
wissenschaftlichen Perspektiven (Biologie, Psychologie, Religion, Philosophie)
(Überleitungsthema
zu 11.2 ,Anthropologie)
Leistungsbewertung für SM-Note: Pflicht: mündl. Wiederholungsprüfungen, 2 schriftliche (umfangreichere) HA, qualifizierte Mitarbeit, schriftliche Übungen, freiwillig: Referate, Klausur
Hinweise zu methodischen Grundprinzipien in 11.1 und 11.2:
Texterschließung
Erfassen der Problemstellung eins Textes: (Welche Frage(n) beantwortet
der Text?)
Text strukturieren, Schlüsselbegriffe finden, Terminologie erfassen: (Unterstreichungen/Randnotizen/Clusterbildung)
Anfertigung eines lückenlosen Argumentationszusammenhangs: (knappe Zus. des
Inhalts in eigener Formulierung, was bedeutet der Titel?
Textlogik erfassen und metaspr. benennen, These - Argumente - Beispiele herausstellen,
Textgliederung metasprachlich berücksichtigen, präzise Benutzung von
Verben (beschreibt, bewertet, begründet, fasst zusammen, vermutet,
behauptet....), logische Verknüpfungen verwenden (aber, dagegen, obwohl,
doch, ....) Logik nachvollziehen, Textinhalte eigenständig zusammenfassen
(nicht paraphrasieren!!!, wesentliche Unterscheidungen benennen und sprachlich durch präzise
Konjunktionen oder entsprechende Syntax herausstellen, Logik des Textaufbaus nachvollziehen,
präzise begriffliche Zusammenfassungen benutzen, wesentliche Ergebnisse des Gedankengangs wörtlich zitieren
(Zitiertechnik) und philosophische Termini erläutern, Kern der Aussage zusammenfassen,
ggfls. graphische Verdeutlichung durch präzise Verknappung)
Unterscheidung von Referierung eines Textes und Darlegung eigener Position (Fragen
an den Text stellen! über Konsequenzen, Alternativen nachdenken, ggfls. auf
eigene Erfahrungen und/oder Kenntnisse rekurieren)
RENE DESCARTES • DIE GEWISSHEIT DES GEISTES |
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(Aus: Discours de la methode) |
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Da
ich wünschte, mich allein der Erforschung der Wahrheit zu
widmen, so hielt ich es für notwendig, genau das Entgegengesetzte zu tun
und als unbedingt falsch all das zurückzuweisen, woran ich nur im
mindesten zweifeln konnte; um zuzusehen, ob nicht danach
etwas in meiner Überzeugung bliebe, was gänzlich unbezweifelbar wäre.
Weil nun unsere Sinne
uns bisweilen täuschen, so wollte ich annehmen, dass es
kein Ding gibt, das so ist, wie wir es auf Grund ihrer vorstellen. Da es
ferner Menschen gibt, die sich beim Schließen täuschen,
selbst wenn es sich um die einfachsten Materien der Geometrie handelt, und
die dabei Trugschlüsse machen, so wies ich, in der Annahme, dass ich
ebenso sehr wie irgendein anderer der Täuschung unterworfen bin, alle die
Gründe als falsch zurück,
die ich früher als beweisend angesehen hatte. Erwog ich schließlich,
dass dieselben Gedanken insgesamt, die wir wachend haben, uns auch während
des Schlafes kommen können, ohne dass deshalb auch nur ein
einziger wahr ist, so fasste ich dem gemäß den Entschluss, zu fingieren,
dass alle Dinge, die je in meinen Geist gelangt waren, nicht
wahrer seien, als die Trugbilder meiner Träume. |
Ziel:
Erforschung der Wahrheit durch zweifeln an:
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Sogleich
darauf bemerkte ich jedoch, dass, während ich so denken wollte, dass
alles falsch sei, es notwendig erforderlich war, dass ich,
der es dachte, etwas sei. Da ich mir nun darüber
klar wurde, dass diese Wahrheit „ich denke, also
bin ich" so fest und so sicher war,
dass selbst die überspanntesten Annahmen der Skeptiker nicht imstande
waren, sie zu erschüttern, so urteilte ich, dass ich sie unbedenklich als
erstes Prinzip der von mir gesuchten Philosophie annehmen konnte. |
1.
unbezweifelbare Wahrheit:
Ich denke, also bin ich. ist das 1. Prinzip der Philosophie Descartes |
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Sodann
untersuchte ich aufmerksam, was ich war und sah, dass ich
fingieren konnte, ich hätte keinen Körper, ferner, es gebe
weder eine Welt, noch einen Ort, an dem ich wäre.
Dagegen konnte ich nicht fingieren, dass darum ich nicht war
und dass ganz im Gegenteil eben daraus, dass ich daran dachte, an der
Wahrheit der anderen Dinge zu zweifeln,
in der evidentesten und gewissesten Weise folgte, dass ich sei. Hätte ich
hingegen nur aufgehört, zu denken, so hatte ich, wenngleich alles übrige
von dem, was ich jemals vorgestellt hatte, wahr gewesen wäre, keinen
Grund anzunehmen, dass ich gewesen war. Aus dem allen erkannte ich, dass
ich eine Substanz war, deren ganze Wesenheit oder Natur nur
im Denken besteht und die, um zu sein, keines Ortes bedarf,
noch auch von irgend einem materiellen Ding abhängt. Es ist
demnach dieses Ich, d. h. die Seele, durch die ich bin, was
ich bin, von meinem Körper gänzlich verschieden (distinct)
und selbst leichter zu erkennen als er; und wenn es gleich keinen Körper
gäbe, so würde sie trotzdem genau das bleiben, was sie ist. |
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Danach
betrachtete ich ganz allgemein, was erforderlich ist, damit ein Satz wahr
und gewiss ist; denn da ich soeben einen gefunden hatte, von dem ich
wusste, dass er so beschaffen war, so dachte ich, ich müsse auch wissen,
worin diese Gewissheit besteht. Da ich nun bemerkt hatte, dass in diesem
ganzen Satze: „ich denke, also bin ich" gar nichts anderes
mich dessen versichert, dass ich die Wahrheit sage, als dass ich recht
klar sehe, dass man, um zu denken, sein muss, so war ich der Ansicht, es
als allgemeine Regel aufstellen zu können, dass die Dinge, die wir recht
klar und deutlich erfassen (concevoir), durchaus wahr sind. Hierbei blieb
dann nur eine gewisse Schwierigkeit, nämlich in der rechten Weise zu
bemerken, welches die Dinge sind, die wir deutlich erfassen. |
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Indem
ich in der Folge darüber nachdachte, dass ich zweifelte und dass
infolgedessen mein Wesen nicht ganz vollkommen war - denn ich sah klar,
dass es eine größere Vollkommenheit ist, zu erkennen, als zu zweifeln -
so kam ich auf den Gedanken, zu suchen, woher ich es gelernt hatte, an
etwas Vollkommeneres als mich selbst zu denken. Ich erkannte nun in
einleuchtender Weise, dass das von einer in der Tat vollkommeneren Natur
kommen musste ... |
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Sie dem Nichts entnehmen, war etwas offenbar Unmögliches, und da
es ebenso widerstreitend ist, dass das Vollkommenere eine Folge und Abhängigkeit
des weniger Vollkommenen ist, wie es widerstreitet, dass aus nichts etwas
hervorgeht, so konnte ich diese Idee ebenso wenig mir selbst entnehmen. Es
blieb demnach nur übrig, dass sie in mich durch eine Natur gepflanzt
worden; .die wahrhaft vollkommener war als ich, und die selbst alle die
Vollkommenheiten in sich hatte, von denen ich eine Idee haben konnte, d.
h. um mich in einem Worte zu erklären, die Gott war... |
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Hieraus folgt dann, dass unsere Ideen oder Begriffe, da sie etwas
Reales und von Gott Stammendes sind, in all dem, worin sie klar und
deutlich sind, wahr sein müssen. Wenn wir also recht häufig Ideen in uns
haben, die Falschheit enthalten, so kann das nur bei solchen vorkommen, in
denen etwas Verworrenes und Dunkles vorhanden ist, weil sie dabei am
Nichts teilhaben, d. h. in uns nur deshalb so verworren sind, weil wir
nicht ganz vollkommen sind. Auch ist es offenbar ein ebenso großer
Widerspruch, dass die Falschheit oder Unvollkommenheit als solche von
Gott, wie dass die Wahrheit oder die Vollkommenheit vom Nichts ausgeht. Wüssten
wir jedoch nicht, dass alles, was es in uns an Reellem und Wahrem gibt,
von einem vollkommenen und unendlichen Wesen stammt, so hätten wir, so
klar und deutlich unsere Ideen auch wären, doch keinen Grund, der uns
dessen versicherte, dass sie die Vollkommenheit hätten, wahr zu sein. |
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Nachdem nun so die Erkenntnis Gottes und der Seele uns über diese
Regel Gewissheit verschafft hat, ist es ganz leicht, zu erkennen, dass die
Traumbilder, die wir uns während des Schlafes vorstellen, uns keineswegs
an der Wahrheit der Gedanken zweifeln lassen dürfen, die wir während des
Wachens haben . . . Denn ob wir nun wachen oder schlafen, so dürfen wir
uns schließlich doch durch nichts anderes als durch die Evidenz unserer
Vernunft überzeugen lassen . . . Die Vernunft schreibt uns nicht vor,
dass, was wir so sehen oder uns einbilden, wahrhaft ist; dagegen schreibt
sie uns allerdings vor, dass alle unsere Ideen oder Begriffe eine gewisse
Wahrheitsgrundlage haben müssen. Es wäre nämlich nicht möglich, dass
Gott, der ganz vollkommen und ganz wahr ist, sie ohne diese in uns gelegt
hätte. |
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descartes, geb. 1596 in La Haye (Touraine), gest. 1650 in Stockholm. Mathematiker und Begründer des neuzeitlichen Rationalismus. Hauptwerke: Discours de la methode, 1637; Meditationes de prima philosophia, 1641; Principia philosophiae, 1647. |
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vorbereitende Arbeitsaufträge:
Die Lösung dieser Aufgaben
setzt voraus, dass der Text intensiv durchgearbeitet worden ist und zwar:
a) 1. Lesedurchgang
b) 2. Lesedurchgang mit Unterstreichen von Schlüsselbegriffen
c) Differenzierung von Abschnitten
d) Clusterbildung der Schlüsselbegriffe je Abschnitt
e) möglicherweise knappe inhaltliche Zusammenfassung der zentralen Aussage des Abschnitts
Um die Aufgaben angemessen lösen zu können, muss der Text durchgängig verstanden sein, d.h. die Formulierung der Lösungen kann nur das Ergebnis des gesamten Arbeitsprozesses darstellen.
Mit dem Begriff “Problemstellung“ kann Verschiedenes gemeint sein, z.B.:
· Welche zentrale Frage stellt sich der Autor in dem Text,
· welche These versucht er mit dem Text zu untermauern oder
· welche Behauptung will er widerlegen oder
· von welcher Position will er sich abgrenzen bzw. welche will er stützen?
Der Problemlösungsvorschlag ist dem gemäß dann
· die abschließende Antwort auf die zentrale Frage oder
· die Wiedergabe der Positionierung des Autors zur Ausgangsthese.
Zwischen diesen beiden Polen (Anfang – Ende, Frage – Antwort, These – Gegenthese) setzt die 3. Aufgabe an:
3.
Verfertigen Sie einen lückenlosen Argumentationszusammenhang! Erläutern
Sie dabei die entscheidenden Termini!
In dieser Aufgabe geht es darum, für den Leser Ihrer
Interpretation nachvollziehbar zu machen, mit welchen gedanklichen
Schritten der Autor auf seinen Problemlösungsvorschlag zusteuert,
wie er ihn untermauert, mit welchen Begriffen er dabei arbeitet und wie
er diese Begriffe versteht.
Rene Descartes, Die Gewissheit des Geistes (Aus: Discours de la methode)
R. Descartes stellt sich in diesem Textausschnitt die Frage, ob es Wahrheiten gebe, die trotz rigoros durchgeführtem Infragestellen (Zweifeln) Bestand haben, also unbezweifelbar sind.
Das Ergebnis seines methodischen Zweifelns ist, dass er diese Frage bejaht, indem er auf die unbezweifelbare Wahrheit des „Ich denke – also bin ich“ stößt, also die Gewissheit der geistigen Existenz des Subjekts postuliert, darüber hinaus aber auch zu der Gewissheit gelangt, dass in Gott der Garant unserer Wahrheitserkenntnis liegt.
Descartes Ziel ist die „Erforschung der Wahrheit“. Dieses Ziel geht er methodisch so an, dass er alles, was nur irgend möglich bezweifelbar ist, in frage stellen will, um zu unbezweifelbaren Wahrheiten zu gelangen. Er setzt an bei den durch die Sinne erfassten „Wahrheiten“ und stellt fest: Die Sinne können uns bisweilen täuschen. Ebenso können wir uns beim Schließen täuschen. Der 3. Aspekt, den er als Grund von Täuschungen erwägt, ist der, dass wir im Traum dieselben Gedanken haben können wie im wachen Zustand. Daraus zieht er die Konsequenz, dass alle Bewusstseinsinhalte – also auch die, die wir im wachen Zustand haben - ebenso gut „Trugbilder“ sein können.
Im 2. Textabschnitt schlussfolgert Descartes auf dieser Grundlage, dass zwar alle Inhalte des Bewusstseins das Ergebnis von Täuschung sein können, nicht aber der formale Akt des Denkens (hier Zweifelns) selbst. Das Zweifeln setzt ein zweifelndes Subjekt voraus, das Denken ein Subjekt, das denkt. Damit ist das 1. Prinzip (d.i. die 1. Wahrheit) der von Descartes gesuchten Philosophie als „Erforschung der Wahrheit“ gefunden: „Ich denke, also bin ich.“
Im 3. Abschnitt nun untersucht Descartes die Qualität dieses „ich bin“, also der Existenz des Subjekts. und kommt zu dem Ergebnis, dass nur die geistige Substanz des Ich als unbezweifelbar zu postulieren ist, nicht aber die körperliche und nicht auch eine körperliche (sprich: materielle) Existenz der Außenwelt daraus ableitbar ist. Diese geistige Substanz, die durch die Gewissheit des „Ich denke“ garantiert ist, identifiziert Descartes mit der „Seele“ des Menschen, die vom Körper (distinct) unterschieden ist und insofern auch gewisser ist als dieser.
Da nun zumindest eine Wahrheit gefunden ist, für die das von Descartes aufgestellte Kriterium der Unbezweifelbarkeit gültig zu sein scheint, versucht er im 4. Abschnitt dieses Prinzip zu verallgemeinern, nämlich: „dass die Dinge, die wir recht klar und deutlich erfassen (concevoir) durchaus wahr sind.“ Aber welcher Art sind diese Dinge? Oder: Welchen Bedingungen müssen diese Dinge genügen?
Descartes beantwortet diese Frage nicht direkt, sondern vollzieht im 5. Abschnitt einen kurzen Exkurs über den Begriff der „Vollkommenheit“. Der Mensch zweifelt an den erkannten Wahrheiten, seine Erkenntnis ist begrenzt, unvollkommen, dennoch besitzt er den Drang zur Wahrheit, zur Vollkommenheit, das heißt aber auch, er hat einen Begriff von der „Vollkommenheit“, obwohl er unvollkommen ist. Woher stammt dieser Begriff der „Vollkommenheit“?
3 Antwortmöglichkeiten diskutiert Descartes im 6. Abschnitt: Der Begriff stammt aus dem Nichts. Diese Antwort ist nach Descartes undenkbar. Der Begriff stammt aus dem Menschen selbst, der Mensch hat ihn aus sich selbst hervorgebracht. Diese Antwort scheidet ebenfalls aus, weil das Vollkommene nicht aus dem Unvollkommenen hervorgebracht werden kann, sondern umgekehrt. Daher die 3. Antwort: (...) dass sie in mich durch eine Natur eingepflanzt worden, die wahrhaft vollkommener war als ich. Sprich: von Gott.
Im Folgenden Abschnitt werden nun diese beiden Ergebnisse (4. /5.Abschnitt) miteinander verknüpft: Was wir klar und deutlich erfassen, ist wahr. Gott ist Garant für die Wahrheit. Also: Was wir klar und deutlich erfassen, stammt von Gott.
Im letzten Abschnitt greift Descartes noch einmal auf das Traumargument des Anfangs auf. Die erste Schlussfolgerung war ja, dass alle Wirklichkeitserkenntnis bezweifelbar war, weil wir uns - wie im Traum – täuschen könnten. Nun aber, da die Existenz eines wahrhaftigen und vollkommenen Gottes aus dem Begriff der Vollkommenheit abgeleitet zu sein scheint, kann Gott als Bedingung der Möglichkeit wahrer Erkenntnis postuliert werden, wobei allerdings die Unvollkommenheit des Menschen als Ursache für falsche Erkenntnis eingeräumt werden muss.
Weiterführende Links: http://www.zum.de/Faecher/Eth/SA/stoff11/interpretation.htm
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