Earl Bertrand A.W.Russell

Geburtstag: 18. Mai 1872
Geburtsort: England, in einer Waldung dicht über den steilen Ufern des Wye in einem einsamen Haus namens Ravenscroft (heute Cleiddon Hall). Genauer: Ravenscroft, Trelleck, Monmouthshire, Wales
Geburtsmasse: Gewicht: 83/4 Pfund
Länge: 21 Zoll (etwa 52 cm)
Familie: Von Heinrich VIII. erhielt ein John Russell das Kloster Woburn Abbey als Familiensitz, heute im Besitz des 13. Herzogs von Bedford, einem Verwandten Bertrand Russells, und ein Vergnügungspark. John Russell besaß mehrere Gebiete in England, darunter auch Covent Garden in London. Der 5. Earl von Bedford erhielt die Herzogswürde von Wilhelm von Oranien. Lord John Russell, der Großvater Bertrand Russells, war der 3. Sohn des 6. Herzogs von Bedford, und unter Königin Viktoria war er zweimal Premierminister von England und wurde zum Earl ernannt. Lord Amberley, Bertrand Russells Vater, heiratete in 2. Ehe Kate, die Tochter von Lord Stanley. Sie hatten 3. Kinder. Der älteste war Frank, geb. 1865, dann kam Rahel, geb. 1868, und der jüngste war Bertrand.
Kindheit: Als Bertrand gerade mal stehen konnte, begann sein Vater unter epileptischen Anfällen zu leiden. Als er 2 Jahre alt war, bekamen seine Geschwister und seine Mutter Diphtherie, und nur Frank überlebte. Anderthalb Jahre später starb auch der Vater, und die beiden Brüder wurden gegen den letzten Willen des Vaters in die Obhut der Großeltern gegeben, die in Pembroke Lodge in Richmond lebten. Das Haus bekam Lord Russell von der Königin geschenkt, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. 1878 starb Lord John Russell. Von nun an übernahm die Großmutter die Erziehung. Sie stammte von einer schottischen Presbyterianerfamilie ab. Frank und Bertrand Russell - Frank wurde nach dem Tode des Großvaters der nächste Lord von Bedford - lernten als erste Fremdsprache Deutsch, aber auch Französisch und Italienisch machten ihnen nie Probleme, da mit Gästen stets in deren Muttersprache gesprochen wurde. Im Alter von 16 Jahren hätte er fast sein Augenlicht verloren, weil er annähernd die gesamte Bibliothek seines Großvaters gelesen hatte. Zudem war es sicher, dass er zu dem Zeitpunkt mehr gelesen hatte als ein "normaler" Mensch mit neunzig gelesen hätte. Bertrand wollte nach Cambridge, um dort Mathematik zu studieren, aber da die Großmutter auf ihrer puritanische Erziehung bestand, sprich, ihm nicht das Geld geben wollte, wurde er gezwungen, die Aufnahmeprüfung so gut zu bestehen, dass er ein Stipendium bekommt, was auch funktionierte.
Cambridge: Whitehed, der auch schon die Aufnahmeprüfung vornahm, erkannte die große Begabung des jungen Mannes. Er ebnete ihm auch den Weg in seine ersten Studentenfreundschaften. Erst hier lernte Russell frei zu atmen und zu leben. Er konnte unter Gleichgesinnten eine natürliche Sprache sprechen, ohne für verrückt oder kriminell gehalten zu werden. In seinem ersten Semester fand er Freunde fürs Leben, die da waren: McTaggart, ein konservativer Hegelianer, Lowes Dickinson, ein Altphilologe, die Brüder Crompton und Theodor Uewelyn Davies, die Söhne eines Geistlichen, Charles Sänger, sein Zimmergenossen, die drei Brüder Trevelyan, Charles, Politiker, Roben, Dichter, George, Historiker und G.E. Moore, ein jüngerer Philosoph. Auch wenn er Mathematik studierte, in seiner Freizeit redete er mit seinen Freunden mehr über Philosophie, Geschichte und andere Wissensgebiete. Russell schloss sich schließlich einer Studentengruppe an mit dem Namen "Die Gesellschaft" (oder auch "Die Apostel"). Russell brach sein Mathematik - Studium ab und wechselte in die Philosophie über. 1894 kehrte er Cambridge den Rücken.
1. Ehe: Am 13. Dezember 1894 heiratete Bertrand Russell Alys Pearsall Smith, eine Amerikanerin, die keine Kinder bekommen konnte, deren Familie seit über zweihundert Jahren zu den Quäkern von Philadelphia gehörte. Ab 1911 lebten die beiden getrennt, und 1921 folgte dann die Scheidung!
2. Ehe: 1921 heiratete Bertrand Russell Dora Blocke, die ihm noch im gleichem Jahr einen Sohn schenkte, der den Namen John Conrad trug, und eine Tochter mit dem Namen Katherme Jane. Die Scheidung war 1935 wegen einem Disput bezüglich der Privatschule!
3. Ehe: 1936 heiratete er Patricia Spence, genannt "Peter", die ihm sein drittes Kind schenke, Conrad Sebastian Robert. Die Scheidung von ihr erfolgte 1952!
4. Ehe: Ihm Alter von 80 Jahren heiratete er 1952 Edith Finch. Diese Ehe wurde zur Abwechslung mal nicht geschieden oder nur durch den Tod Earl Rusells!
Principia Mathematica: Von 1900 bis 1910 arbeitete Bertrand Russell gemeinsam mit A. N. Whitehead. Den Anfang dafür machte der Internationale Philosophenkongress in Paris 1900, bei dem sie den Anstoß für die Principia Mathematica gefunden hatten. Das Buch hatte letztendlich 3 Bände, und behandelte die Mathematik und Philosophie und deren Verbindung mit der Logik!

Obwohl er anfangs nichts mit Politik zutun haben wollte - er trat 1894 als Volontär-Attache an der britischen Botschaft zurück - hatte er immer Interesse an der Politik. Er gehörte verschiedenen Gruppen an, z. B.den "Co-efficients", und schrieb viele politische Kritiken und Berichte, so zum Beispiel über die Russland - Revolution und deren Folgen. Aber auch über die deutschen Sozialdemokraten hatte Russell geschrieben, und zwar in seinem Buch: GERMAN SOCIAL DEMOCRACY (l895). Er sah viele politischen Ereignisse schon Jahre zuvor voraus, z. B. die Krise in Russland nach der Revolution. Im l. Weltkrieg gehörte er einer Gruppe von Leuten an, den "No Conscription Fel-lowship" (kurz: NCF). Sie hatten sich zur Aufgabe gemacht, "Anti-Kriegspropaganda" zu verbreiten. Zweimal während des 1.WK wurde Russell verurteilt; das l. Mal wegen "unerlaubter Veröffentlichung eines Flugblattes" (wegen Everett), musste er 100 £ Strafe zahlen. Bein 2.Mal musste er wegen "Volksverhetzung" (Beleidigung des Alliierten USA) für 6 Monate ins Gefängnis Er trat seine Strafe im Mai 1918 an. Er hatte die bequemste Gefangenschaft in der Englischen Geschichte, sogar noch bis heute, denn er hatte einen Teppich, eine Schreibtisch und durfte/musste 4 Stunden philosophische Dinge schreiben, weitere 4 Stunden philosophische Dinge lesen, und die restlichen 4 Stunden sonstige Sachen schreiben! Nach seiner Russlandreise (1920) war er ein Gegner des Bolschewismus, da er "keine" Veränderung sah. Von China, wohin er 1921 reiste, war er allerdings entzückt, obwohl er schon damals Probleme in dem Land sah, die ihm traurig stimmten. 1923 unterlag er einem Kandidaten der Konservativen Partei. Vor dem Anfang des 2. WK, wie auch schon im l. WK forderte er England auf, sich nicht zu verteidigen, da man lieber lebend unter Hitlers Regime sein sollte als tot. Als dann aber der 2. WK ausbrach, änderte er seine pazifistische Meinung und war von nun an so überzeugt, dass man Hitler töten müsste, dass er selbst zur Waffe gegriffen hätte. Durch den Tod seines Bruders (1931) wurde er der 3. Earl Russell und hatte damit als Adeliger einen Platz im britischen Oberhaus, doch erst sieben Jahre später hielt er seine Antrittsrede. Zum Ende des 2. WK und auch später kam er immer öfter zu den Debatten. Ebenfalls setzte sich Russell auch für den Weltfrieden ein, und fand, dass die UNO eine gute Organisation sei, um Amerika zu beobachten, denn er meinte, dass es viel zu viel Macht habe. Für seinen Einsatz zum Weltfrieden bekam er vom König Georg VI. den "Order of Merit" überreicht (1949), das ist der höchste Orden Englands. Er war der Einzige bis jetzt, der im Gefängnis gesessen hatte, weil er Widerstand gegen die Staatsgewalt leiste. 1961 rief er zum Protest gegen die Atombombe auf, und zwar zu einem Sitzstreik vor dem Unterhaus, und als Mitglied der Protestgruppe "Komitees der Hundert" wurde Russell mit 89 Jahren für l Woche ins Gefängnis gesteckt! Als dann die Wasserstoffbombe erfunden wurde, liefen er und viele andere Wissenschaftler unter seiner "Führung" Sturm gegen diese Entwicklung, A. Einstein, der ein Freund von ihm war, beteiligte sich noch auf dem Sterbebett an einer Unterschriftensammlung. Einsteins Unterschrift erreichte Russell in Paris, nur Einstein war zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Tage tot, der Postweg dauerte etwas, dies berührte Russell sehr.

Er hatte eine sehr aufgeschlossene Einstellung zur Erziehung, fast wie S. Freud. Er hatte 1927 eine Privatschule eröffnet, die seine damalige Frau leitete. In dieser Schule sollten die Kinder so erzogen werde, wie Russell es wollte, aber die Schule wurde ein Auffangbecken für Ausgestoßene. Er selbst war der  Meinung, man sollte Kinder all ihre perversen Gedanken und Ideen schon in der Kindheit ausleben lassen, da sie dann als Erwachsene diese nicht mehr hätten. Er meinte auch, dass man schon früh über Sex mit Kindern reden sollte, und zwar DIREKT. Seine Kinder waren so oft wie möglich nackt.

Universitäten: Cambridge, Harvard, UCLA, Trinity College (in Cambridge), Pekinger Universität, Oxford, Colum-bia University, College of the City of New York.

Russell hielt in den wichtigen Universitäten der damaligen Zeit seine Vorlesungen. Waren es am Anfang nur wenige, so reichten selbst im größten Hörsaal am Ende nicht mehr die Plätze für alle.

Bücher: {1896} German Social Democracy

{1897) An Essay on the Foundations of Geometry

{1900) A Critical Exposition of the Philosophy of Leibniz

{1903) The Principles of Mathematics

{1910, 1912, 1913) (With A. N. Whitehead) Principia Mathematica, 3 Vols.

(1912) The Problems of Philosophy

(1914) Our Knowledge of the External World

{1916) Principles of Social Reconstruction

(1917) Political Ideals

(1919) Introduction to Mathematical Philosophy

{1921) The Analysis of Mind

(1923) A Free Man's Worship

{1926) On Education, Especially in Early Childhood

(1927) The Analysis of Matter

(1927) An Outline of Philosophy

(1927) Why I Am Not a Christian

{1929) Marriage and Morals

{1930) The Conquest of Happiness

{1931) The Scientific Outlook

{1938) Power: A New Social Analysis

{1940) An Inquiry into Meaning and Truth

{1945) A History of Western Philosophy

{1948) Human Knowledge: Its Scope and Limits

{1949) Authority and the Individual

{1949) The Philosophy of Logical Atomism

{1954) Human Society in Ethics and Politics

{1959) My Philosophical Development

{1967, 1968, 1969) The Autobiography of Bertrand Russell, 3 Vols.

Besonderheiten: Nach dem 2. WK Sonderbotschafter des britischen Außenministeriums, hielt Vorträge über "Prevention of War'. In dieser Funktion war er 1948 auf dem Weg nach Norwegen, als sein Flugzeug abstürzte. Er überlebte nur, weil er hinten saß! 1950 betrat er den Olymp der Autoren, er bekam den Nobelpreis für Literatur. Earl B. A. W. Russell, 0. M., F. R. S. (Order of Merit, Fellow of the Royal Society), war so ziemlich der einzige Autor, der seine komplette Meinung und Überzeugung nach Belieben änderte und trotzdem sich selbst immer treu blieb. Denn er reagierte auf das, was in der Welt geschah, er sucht die einzige Wahrheit. Ob er sie fand?
Todestag:

Todesort:


Quellen:

2. Februar 1970

Penrhyndeudraeth, Merioneth, Wales


1. Bertrand Russell, Von Herbert Goftschalk, 1962 Colloquium Verlag, Otto H. Hess, Berlin

2. Mein Leben, 1872-1914, Von Bertranä Russell, 1967 George Allen and Unwin Ltd.

3. Bertrand Russell, 1914-1944, Von Bertrand Russell, 1968 George Allen and Unwin Ltd.

Zeittafel Russell

1872

Am 18. Mai in Ravenscroft geboren

1874

Tod von Mutter und Schwester

1876

Tod des Vaters, Lady Russell über nimmt Erziehung

1890

Eintritt in das Trinity College

1894

Heirat mit Alys Smith

1896

Erste Fahrt in die USA

1898

Vorlesung über Leibniz

1900

Besuch des Internationalen Philosophenkongresses in Paris

1910

l. Band der Principia Mathematica

1914

Öffentliche Rede gegen den Krieg

1916

Nach dem Everett-Prozess Ende der Dozenten lautbahn

1918

6 Monate Gefängnis

1920

Fahrt nach Rußland

1921

Scheidung von Alys Russell. Heirat mit Dora Black. Geburt seines l. Sohnes John.

1923

Russell unterliegt als Kandidat für die Labour Party

1924

Vorlesungsreise in die USA

1927

Gründung einer Privatschule mit seiner Frau Dora

1931

Ernennung zum 3. Earl Russell nach dem Tode seines Bruders

1935

Scheidung von Dora Russell

1936

Heirat mit Patricia Spence

1937

Geburt seines Sohnes Conrad

1938

Fahrt nach Amerika

1940

Seine Weltanschaulichen Gegner verhindern, dass er Professor am College ofthe City of New York wird

1944

Rückkehr nach England

1948

Unfall bei einen Flug nach Norwegen

1949

Verleihung des "Order of Merit"

1950

Nobelpreis für Literatur

1952

Scheidung von Patricia Russell. Heirat mit Edith Finch

1954

Unterschriftensammlung gegen die Wasserstoffbombe

1957

Verleihung des Kalinga-Preises der UNESCO

1960

Verleihung des dänischen Sonning-Preises

1961

Gefängnisstrafe wegen Aufruf zum Sitzstreik vor dem britischen Unterhaus aus Protest gegen die Atomwaffen

1962

Kampfrede gegen Aufrüstung und Atombombe

1970

Todestag


Ronald Hartwig, GK Philosphie, Jg. 13.1, Gesamtschule Wanne-Eickel, 1998